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Ort der Handlung: Viti Levu, Ra- und Rewa Gebiet
Führer der Bewegung: Verschiedene anonyme junge Männer und Zauberer
Charakter der Bewegung: Magischer Vitalismus

Am Ende des letzten Jahrhunderts entwickelte sich ein Geheimbund unter der jüngeren Generation auf Fidschi. Im Mittelpunkt standen märchenhafte Geist wesen. Man nannte sie Luveniwai (Kult Nr. 184), d. h. Kinder des Wassers. Darunter verstand man jene Elfen, Zwerge und Kobolde, die nach alter Vorstellung die Urwaldhaine und Wasserfälle bewohnten. Ursprünglich glaubte man, daß die Frühgeburten von Häuptlingsfamilien in das Reich dieser kleinen Zwerge zurückkehrten. Nach anderen Versionen waren es ausgesetzte Säuglinge, die vom Meer abgetrieben worden waren und sich auf diese Weise zu »Water Babies« entwickelt hatten. Sie konnten bösartig sein. Meistens waren es aber freundliche Geister, die übernatürliche Kräfte besaßen. Man glaubte in der Luveniwai-Bewegung, daß jeder Mensch einen solchen Waldgeist – gleichsam als Schutzengel – haben könne, wenn er sich nur darum bemühe.

Die Anhänger des Bundes trafen sich gewöhnlich auf entlegenen Waldplätzen, führten Kava-Trinkzeremonien durch, sangen und tanzten, ölten ihre Körper, schmückten sich mit Blumen und nahmen neue Namen an. In einem bestimmten Haus verwahrten sie eine geweihte Kokos nuß über der sie meditierten. Zu den Bruderschaften gehörten auch viele Mädchen, die eine erotische Note in die Bewegung brachten. Von den Geistern erwartete man, daß sie Geschicklickeiten vermittelten, neue Tänze lehrten, Geheimrezepte preisgäben, die Zukunft voraussagten und mana verliehen.

Viele Missionare hielten die Luveniwai-Bewegung in den Anfangsjahren für eine harmlose Spielerei. Und doch war sie mehr als ein »Gesellschaftsspiel«. Die nächtlichen Versammlungen führten oft zu starken Erregungszuständen. Durch anhaltendes Tanzen brachte man sich in Ekstase. Die Menschen fingen an zu zittern und wurden von Schüttelanfällen gepackt. Sie wurden gefühllos gegen Schmerz und vielfach kam es auch zu Verletzungen; gelegentlich wurden während dieser Riten auch Menschen im Trancezustand getötet. Die Gefühllosigkeit wurde jedoch als Unverwundbarkeit gedeutet und daher angestrebt. Gelegentlich versuchte man auch mit Zauberkunststücken die Macht der Water Babies zu erweisen. Man warf z. B. hölzerne Stäbchen in einen Kochtopf und ließ anschließend eine Mahlzeit daraus hervorkommen. Oder man ließ einen Menschen in einem irdenen Krug verschwinden und damit auf dem Fluß schwimmen. Mit solchen Phantasieberichten wurde die Autorität der Führer gestärkt. Bald schaltete sich die Regierung ein. Die Versammlungen wurden als illegal und kriminell bezeichnet, die Anführer wegen Faulheit und Aufsässigkeit bestraft. Die Strafe bestand im öffentlichen Ausprügeln. Das Hauptproblem sah man wohl darin, daß jene Jugendlichen nicht mehr arbeiten wollten. So gerieten die Gärten und Dörfer in Verwahrlosung. Eine Folge war, daß es zu Ernährungsschwierigkeiten kam.

Als einen der frühesten Versuche, das Problem von innen her zu lösen, muß man die Kricket-Klub-Aktion bezeichnen, die ein Beamter seinerzeit begann. Die Idee dabei war, das kultische Interesse auf eine neutrale Sache abzuleiten. Dieser Versuch ist etwas außergewöhnlich, aber er hat sich großenteils bewährt. Überall wurden neue Kricket-Klubs gegründet. Man bildete Gilden, führte Anwesenheitslisten, entwickelte Codeschriften und Abzeichen, wählte Sekretäre und schuf eine Vielzahl von Ämtern mit klingenden Namen: Es gab »Major Generals«, »Lord High Admirals«, »Secretaries for Foreign Affairs« usw. Die Phantasie jener Hippie-Vorläufer trieb erstaunliche Blüten. Bald aber war wieder der Punkt erreicht, an dem aus dem Spiel eine ernste Sache wurde. Man wählte einen eigenen Gouverneur und obersten Richter. Die Imitation britischer Bürokratie schlug um in eine Untergrundbewegung mit nationalistischem Trend. Nachdem die Ämter und der Apparat auf Klubebene einmal spielerisch eingeübt waren, konnte man jetzt darangehen, mit der Form auch den Inhalt zu übernehmen. Die Kricket-Klubs entwickelten sich zu Keimzellen einer politischen Bewegung. Damit war ungewollt aber bewiesen, daß sid auch dieser Kult durchaus ideologisch verstanden hat. Es ging um mehr als um das freundliche Spiel von Wasser- und Blumenkindern. Es ging auch bei den Water-Babies um die Erschließung einer besseren Welt.

Die Kricketklubs gerieten daraufhin ebenso in die Schußlinie der offiziellen Kritik wie alle übrigen Kulte. Die Anführer wurden in das Provinzgefängnis gesteckt. Nach außen hin hörte die Aktivität allmählich auf.

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